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OB SIE GLAUBEN, DASS SIE ES KÖNNEN ODER GLAUBEN, SIE KÖNNEN ES NICHT – SIE HABEN RECHT

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Ich habe immer von einer Reise durch die Dörfer Indiens per Fahrrad oder auf eine andere Weise geträumt, die mich in Kontakt mit dem Leben der einfachen Leute bringt.

 

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Unni Karunakara, der ehemalige Präsident der internationalen Organisation „Ärzte ohne Grenzen“, startete am 12. Oktober eine 5.600 km-Fahrradtour durch Indien von Kaschmir im Norden bis Kanya Kumari im Süden und bat mich, ihn auf der letzten 850 km-Etappe seiner Reise zu begleiten. Aber ich hatte ein Problem: Ich hatte noch drei schwere Bandscheibenvorfälle im unteren Rücken. Außerdem bin ich in der Freizeit noch nie mehr als 10-15 km mit meinen Kindern Fahrrad gefahren, geschweige denn wusste ich, wie man Zahnräder an einem Fahrrad wechselt. Kurz gesagt, ich war kein Radfahrer.

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Die Frage war nun, was ich dachte und was ich in meinem Leben tun wollte. Der indische Industrielle Ratan Tata definiert, dass man zwei verschiedene Möglichkeiten habe, Angst zu begegnen: Vergessen Sie alles und laufen Sie davon oder stellen Sie sich den Dingen und wachsen an ihnen.

In meinem Herzen wusste ich, dass ich es konnte, aber jeder, den ich darauf ansprach (auch mein Arzt), dachte, ich wäre verrückt. Dann beschloss ich, zusätzlich, $100,000 für Ärzte ohne Grenzen zu sammeln, indem ich meine Freunde zunächst bat, für die Gesundheitsversorgung derjenigen zu spenden, die es am meisten benötigen, es sich es aber nicht leisten können – um dann ihre Beiträge anzupassen und zu verdoppeln. Und so war ich am 22. Januar an meinem 54. Geburtstag in Indien, um dieses neue Abenteuer zu beginnen. :-)

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Tag 1 – 23. Januar – 76 km Am ersten Tag ging es auf Gott sei Dank flachen Straßen entlang der Küste von Puducherry nach Chidambaram – 34 km vor dem Frühstück. Dann wiederfuhr mir ein Wunder: Ich aß das wahrscheinlich beste Frühstück, das ich je in einem Straßenrestaurant genossen habe - Idlis (südindische Reisklöße) serviert auf Bananenblättern mit Sambar (scharfe Linsen) und Kokosnuss-Chutney und alles für weniger als zehn Kronen. Heute waren wir fünf Radfahrer – Unni, Jo, Alain, Priya und ich.

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Dann kam die demütigende Erfahrung, den falschen Weg genommen zu haben und irgendwo im Nirgendwo zu sein, ohne Handy, ohne Geldbeutel, ohne Ausweis und ohne Wasser – und das in der stechend heißen Sonne bei 35 Grad. Es hat mir die Augen und meine Gedanken hin zu einer völlig neuen Welt geöffnet, in der ich ein anderer Mensch war, der keine Infrastruktur oder Ressourcen hinter sich hatte. Ich musste jemanden auf der Straße bitten, einen Anruf nach Prag tätigen zu dürfen. Die einzige Nummer, die ich ohne Telefon auswendig konnte, war die meiner Kollegin Dana. Ich hatte das Glück, die anderen Radfahrer drei Stunden später wieder zu finden.

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Tag 2 – 24. Januar – 81 km Wir fuhren von Chidambaram nach Karaikal und ich hatte ein eigenartiges Problem – mein rechter Trizeps war völlig bewegungsunfähig und tat sehr weh, und ich konnte den Lenker nicht mehr festhalten, sodass ich mit einer Hand hinter meinem Rücken fahren musste. Aber an diesem Tag erlebte und sah ich die Gastfreundschaft der Menschen, die fast nichts hatten, aber dazu bereit waren, uns zu sich nach Hause einzuladen und jede Kleinigkeit mit uns geteilt haben, ohne zu wissen oder sich Gedanken darüber zu machen, wo und wann sie ihre nächste Mahlzeit herbekommen würden. Ich erkannte, dass „reich sein“ nicht bedeutete, wie viel wir haben, sondern wie viel wir geben können – ab jetzt war reich oder arm sein für mich nur ein Bewusstseinszustand.

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Später an diesem Tag passierte Unni die 5.000 km-Marke seit seinem Start am 12. Oktober in Kaschmir. :-) 

Tag 3 – 25. Januar – 153km Ich habe Hiromu San gesehen, der in den letzten fünf Jahren 55 Länder auf dem Fahrrad durchreist hat - 21 in Europa, 33 in Afrika und nun Indien. Und er reist in den nächsten fünf Jahren weiter durch Zentralasien und Afrika, sodass er buchstäblich für zehn Jahre auf seinem Fahrrad lebt. Er war so begeistert von seinen Reisen und aufgeregt, weiter zu fahren. Wow! Wie inspirierend!

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Die Erinnerungen, die einige mit ihren Kameras festhalten konnten, sind unzählig und die Erfahrungen so kostbar – ich wage zu behaupten, dass ich in diesen acht Tagen meines Lebens mehr über die Menschen und über das Land meiner Geburt gelernt habe, aber vor allem über mich selbst und das Fehlen von Einschränkungen – ausgenommen derjenigen, die durch unser eigenes Denken zustande kommen. Ich traf Kinderauf unserem Weg, die nichts hatten außer Träume, Hoffnungen, viel Freude und ein Lächeln, das so groß war wie der Suez-Kanal.

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An diesem Tag hatten wir einen unglücklichen Unfall. Einer unserer Mitfahrer, Rob, hatte eine Bodenschwelle übersehen. Wahrscheinlich durch die Kombination aus Erschöpfung und der großen Wertschätzung der Natur fiel er kopfüber auf den Boden und musste sofort in ein Krankenhaus auf die Intensivstation gebracht werden. Da Rob fast bis zum folgenden Morgen bewusstlos war, beschlossen wir, am Sonntag den 26. Januar, Indiens 64. Tag der Republik, einen Tag Pause zu machen.

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Tag 4 – 27. Januar – 110 km Thalivialagam bis Thondi – ich erkannte, dass Lernen und Bildung am besten durch Entdeckung erreicht werden können und manchmal bemerkte ich jeden einzelnen Tropfen vom Morgentau auf jedem einzelnen Blatt, jede einzelne Blume, jeden einzelnen Vogel, der sang. Und manchmal sang ich alte Hindi Lieder und fuhr ein bis zwei Stunden, ohne etwas zu bemerken, als ob alles in einem meditativen Zustand wäre. Völlig erschöpft, aber voller Energie und sehr, sehr glücklich.

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Tag 5 – 28. Januar – 116 km Ich habe große Unterstützung von Freunden und Familie erfahren – per E-Mail, SMS und Facebook-Nachrichten. Aber dann geschah etwas Erstaunliches – ich bekam Unterstützungs-E-Mails und Geld von Menschen, die ich noch nie getroffen hatte. Ein Student und eine schwangere alleinerziehende Mutter haben 500 Kronen gespendet, obwohl sie es selbst wirklich gebraucht hätten und die Liste war recht lang … es war so herzerwärmend, dass wir in einer ganz anderen Welt leben, als uns das Fernsehen und die Zeitungen glauben machen wollen.

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Tag 6 – 29. Januar – 56 km Ein kürzerer Tag, aber die Unterstützung und der Beifall gingen weiter und waren unglaublich. Ich bekam jeden Tag Massen von Nachrichten die mich ermutigt haben, aber ich brauchte keinen Dank, keine Ermutigung, ich wurde nur mit Energie und Glück aufgeladen. Es war hier wieder der Punkt erreicht, dass mir immer und immer wieder klar wurde, dass die wahre Freude des Lebens Geben und Teilen ist...

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Tag 7 – 30. Januar – 126 km Der härteste, schwerste, hügeligste und windigste Tag. Hier erkannte ich den Wert des süßen, tiefen Schlafs auf einer dünnen Matte auf dem Boden, als ich körperlich völlig erschöpft war, aber nicht müde, weil ich so glücklich und aufgeregt r wie ein kleines Kind und bereits 15 bis 20 min vor dem täglichen Sonnenaufgang aufgestanden und bereit war. An diesem Tag fiel ich nach ein paar Kingfisher-Bieren und einem Besuch an der Kanya Kumari, der südlichsten Spitze Indiens, auf die Matte.

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Tag 8 – 31. Januar – 124 km Kanya Kumari nach Trivandrum -– Tag 7 war nichts im Vergleich zu diesem letzten Tag. Es war, wie wenn man in den Alpen Fahrrad fahren würde, allerdings mit riesigen Schlaglöchern und schwerem indischen Verkehr. Ich habe gelernt, den ersten Schluck von Kokoswasser in der Sonne zu schätzen, den Schatten eines Baumes, nachdem man seit vielen Stunden in der stechenden Sonne keinen gesehen hat, oder den Genuss, sich mitten auf einer Seitenstraße auf Heu zu legen und fast einzuschlafen vor Erschöpfung, aber dann voller Spannung aufzuwachen, was an diesem letzten Tag wohl hinter der nächste Kurve zu sehen ist.

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Jetzt wache ich jeden Morgen auf und bin dankbar für diese Gelegenheit und wünsche mir, dass ich für den Rest meines Lebens so aufregend leben könnte, so unschuldig, so erschöpft und in dem Fluss in dem ich in diesen acht Tagen lebte. Es war eine Transformation und ich habe erneut realisiert, dass es ein Unterschied ist, ob man das Leben bestreitet oder das Leben lebt und genießt – jeden einzelnen Moment davon. Das Leben ist so unschätzbar wertvoll – es geht darum, zu geben und zu nehmen und Bäume zu pflanzen, in deren Schatten ich nie die Absicht habe, zu sitzen. Ein Leben so aufregend, ein Leben, wovon ich schon immer geträumt habe – und das war ein Traum der wahr wurde. :-)

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Am Ende des Tages habe ich über 842 km in acht Tagen geschafft. Ich habe richtig Fahrradfahren gelernt, meinem Rücken geht es absolut gut und wir haben durch die Großzügigkeit vieler Freunde mehr als $ 120,000 gesammelt und einige neue Freunde gefunden. Aber viel wichtiger: Ich habe so viele neue Lektionen gelernt und das alles ist passiert, weil ich daran geglaubt habe, dass ich es kann, obwohl mir jeder sagte, dass ich es nicht kann. Von daher ist meine Schlussfolgerung: "Ob Sie glauben, dass Sie es können oder glauben, Sie können es nicht – Sie haben recht.“ Es ist nur ein Gedankenspiel. :-)

 

Sanjiv Suri

President & CEO, Zatiší Group